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Samstag, 28. August 2010

Gerard Donovan: Winter in Maine



206 S., Luchterhand, 17,95 €, 978-3-630-87272-8

Dieses Buch habe ich auf der letzten Leipziger Buchmesse gekauft auf Empfehlung von Karin, die mich mit ihrer tollen Videorezension neugierig gemacht hat.

Julius Winsome lebt allein in einer Hütte im Wald. Sein einziger Wegbegleiter ist sein Hund Hobbes, der er aus dem Tierheim geholt hat. Überredet hat ihn dazu seine kurze Beziehung zu Claire. Claire ist eine der wenigen Menschen, die Julius in seinem Leben wichtig waren. Seine Mutter starb bei seiner Geburt und nur mit seinem Vater, den er bis zu dessen Tod gepflegt hat, verband ihn eine menschliche Bindung.

Als er seinen Hund eines Tages erschossen auffindet, bricht für Julius eine Welt zusammen. Scheinbar rational nimmt er die Waffe seines Vaters und legt sich auf die Lauer. Die Jäger des Waldes leben ab nun an nicht mehr sicher. Julius will den Tod seines Hundes rächen. Doch wer hat Hobbes wirklich getötet? Trifft es den Richtigen?

Beeindruckend ist die Darstellung des Julius Winsome, dieses unglaublich einsamen Menschen, der sein Herz einem Tier geschenkt hat und danach den Boden unter den Füssen verliert. Dennoch wirkt er abgeklärt und rational handelnd bis zum Ende.

Dem mir bisher völlig unbekannten Gerard Donovan ist ein einfühlsames Porträt eines Outsiders gelungen. Uneingeschränkte Leseempfehlung!


Sonntag, 11. April 2010

Wally Lamb: Die Stunde, in der ich zu glauben zu begann





749 S., 22,95 €, Pendo, ISBN 978-3-86612-206-2

Wally Lamb ist für mich einer der besten, lebenden amerikanischen Schriftsteller. Auch in dem dritten Buch, welches ich von ihm gelesen habe, überzeugt er mich in seiner Begabung, seine Protagonisten nicht nur oberflächlich zu streifen, sondern mit ihnen zu verwachsen. Sie agieren glaubhaft und ziehen den Leser in den Bann. Jeder Einzelne hat unsere Sympathien, aber auch seine Abgründe. Und alles wird miteinander verwoben: die Handlungen und Familiengeheimnisse der agierenden Personen, ebenso wie reale Ereignisse der amerikanischen Gesellschaft.

Tragender Hintergrund ist die Familiengeschichte des Ich-Erzählers Caelum. Sie begleitet den Leser durch den ganzen Roman und deckt vor allem im letzten Drittel eine ganze Menge Geheimnisse auf.

Am Anfang steht das Ehepaar Caelum und Maureen (genannt Mo) Quirk. Sie führen eine mittelmäßige Ehe, die jedoch bald durch ein tragisches Ereignis völlig aus der Bahn geworfen wird. Während Caelum bei seiner todkranken Tante weilt, wird in Littleton/Colorado an der Columbine Highschool durch zwei Schüler ein Massaker verübt. Maureen ist mittendrin - da sie als Krankenschwester an der Schule beschäftigt ist - überlebt aber, schwer traumatisiert, in einem Wandschrank.

Danach ist nichts mehr wie es war. Mo leidet am Posttraumatischen Stresssyndrom und fängt sich nicht mehr. Sie hört auf zu arbeiten, die Quirks ziehen aus Colorado weg. Danach folgt eine schwere Zeit, in der Maureen medikamentenabhängig wird.

Nach ein paar Jahren wagt sie es dennoch, wieder arbeiten zu gehen. Jedoch kommt sie mit dem Druck der Arbeit nicht klar und verfällt wieder den Opiaten. Unglückliche Umstände führen eines Abends dazu, daß sie unter Drogeneinfluss einen Jugendlichen tot fährt und in Folge dessen kommt sie für fünf Jahre ins Gefängnis.

Währenddessen kämpft Caelum um ihre gemeinsame Existenz, die Farm. Die Behandlung seiner Frau und die Anwaltskosten haben ihr Vermögen über die Jahre aufgebraucht. Und sein Kampf führt ihn nach und nach zu neuen Erkenntnissen, über sich und seine Familie.

Neben dem Ehepaar gibt es noch zahlreiche andere Personen, die eine Rolle spielen. Da ist Velvet, ein junges Mädchen, daß "Mom" zu Maureen sagt und das Ehepaar Micks, daß Caelum aufnimmt, nachdem diese vor dem Sturm Katrina geflohen sind.

Überhaupt versucht das Buch viele Ereignisse der letzten 15 Jahre zu verarbeiten. Lamb positioniert sich entschieden gegen die Bush-Regierung und den Irak-Krieg. Manch einem scheint dies zuviel für einen Roman zu sein, aber Lamb gelingt es wunderbar, all diese Ebenen miteinander zu verweben: Gesellschaftskritik in einer mitreißenden Familiengeschichte.

Einfach nur großes Kopfkino! Unbedingt lesen!


Freitag, 25. Dezember 2009

Weihnachtliche Buchgeschenke



Natürlich gab es auch Bücher als Geschenke. Wieder zwei Werke weniger auf meiner Wunschliste, die dennoch immer länger wird.

Auf die Rezensionen der beiden Bücher könnte ihr Euch schon für 2010 freuen.

Allen noch schöne Feiertage - am besten mit einem guten Buch auf dem Sofa!!!