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Dienstag, 26. Juli 2011

Honore de Balzac: Die Chouans, Rebellen des Königs

454 S., Kiepenheuer, 1984

Es wurde mal wieder Zeit für einen Klassiker und ausserdem stand mein Urlaub bevor. Da bot es sich an, ein Buch zu wählen, welches in meinem Zielland spielt. Lange musste ich nicht suchen: Balzacs Werk über die königstreuen betronischen Rebellen sollte es sein.

Das Buch spielt im Jahr 1799, ein paar Jahre nach der Französischen Revolution. Die Anhänger der Monarchie sind in der rückständigen Bretagne noch zahlreich vertreten. Entschlossen kämpfen die sogenannten Chouans gegen die Blauen, die Anhãnger der Revolution.

Vor diesem historischen Hintergrund wird die Liebesgeschichte zwischen dem Marquis de Montauran und Marie de Verneuil erzãhlt. Marie, Republikanerin, soll den Marquis, der ein Anführer der aufständigen Königstreuen ist, im Auftrag der Regierung verführen und in eine Falle locken.

Doch bevor Marie den Marquis als solchen identifiziert, verliebt sie sich bei ihrer ersten Begegnung in ihn. Auch der Marquis verfällt Maries Anmut. Doch bald müssen beide erkennen, wen Sie da begehren und es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem beide zwischen den starken Gefühlen Liebe, Hass, Rache und Misstrauen hin und her gerissen sind.

Ihre Verbindung wird beeinflusst von Intrigen beider sich feindlich gegenüber stehender Parteien. Auf der einen Seite der Spion Corentin, der Maries Abweisung ihm gegenüber nur schwer ertrãgt, auf der anderen Seite Madame de Gua, die sich offiziell als Mutter des Marquis ausgibt, ihn aber insgeheim liebt.

Anfangs bin ich nur sehr schwer in dieses Buch hinein gekommen. Zuviele Erklärungen zu den geschichtlichen Hintergründen gab es am Ende dieser Ausgabe. Nachdem ich dann einfach in anderen Quellen mich noch ein wenig belesen habe, fiel es mir leichter und auch die Handlung wurde unterhaltsamer.

Am Ende war ich dann einfach nur noch gespannt, welchen Ausgang das Drama nimmt.
Balzac ist ein Meister der Worte und berühmt für seine ausführlichen Beschreibungen, die mir allerdings dann doch oft zu langatmig sind. Aber er versteht es zu fesseln und geschickt einen Spannungsbogen aufzubauen.

Wieder mal hat mir dies Werk bewiesen: Klassiker lohnen sich immer wieder.


Freitag, 7. Mai 2010

Victor Hugo: Das Jahr 1793



411 S., M 13,20, Kiepenheuer, ISBN 3-378-00295-6
"Ein Gesamtwille herrschte über ihnen, ein überpersönlicher Gedanke, unzähmbar, unmeßbar, brausend aus den Schatten der Himmelshöhen. Dies nennen wir Revolution. Stürmte eine solche Idee durch die Welt, so warf sie den einen zu Boden und hob den anderen empor; zersprengte manchen zu Schaum und schmetterte manchen gegen die Riffe. Sie wußte, wohin sie ging, sie trieb den Abgrund vor sich her. Gibt man die Revolution für Menschenwerk aus, so würden Ebbe und Flut vom Wasser geschaffen."

Zwischendurch muss es immer mal wieder ein Klassiker sein. Wie unschwer zu erkennen, handelt "Das Jahr 1793" von der Französischen Revolution. Anfangs hatte ich große Schwierigkeiten, in die Handlung zu kommen. Im ersten Drittel ist das Buch auch weniger Roman, sondern vielmehr philosophische Betrachtungen über diese große Revolution.

Im weiteren Verlauf fesselte mich das Buch allerdings sehr. Fasziniert von der Sprache Hugos und seiner eindeutigen Positionierung schlug mich der Roman in seinen Bann.

Der Leser begegnet dem Revolutionär Gauvain und seinem Gegenspieler, dem Royalisten Lantenac. Onkel und Neffe stehen sich in diesen Zeiten feindlich gegenüber und treffen am Ende in der Schlacht um die Festung La Tourgue sogar perönlich aufeinander.

Aber dies ist nicht die einzige Konfliktkonstellation. Der väterliche Freund von Gauvain, Cimourdain, ist über die Jahre hart geworden und unverzeihlich gegenüber allen Royalisten. Er verlangt Härte gegen alle Gegner und gewährt nicht mal Gnade denjenigen, die in unmenschlichen Zeiten Menschlichkeit zeigen. Gauvain hingegen sieht das anders:
"Dieser Mensch, der soeben den dunklen Schlund des Bürgerkrieges durch das Licht einer göttlichen Tat erleuchtet hatte, konnte kein Monster sein. Der Schwertträger verwandelte sich in einen Träger des Lichtes. Der höllische Satan wurde wieder zum himmlichen Luzifer."

Zwischen die Kriegsfronten gerät eine junge Mutter von drei kleinen Kindern. Erst von den Revolutionären aufgenommen, dann von den Royalisten fast erschossen und der Kinder beraubt, begibt sie sich nach ihrer Genesung auf die Suche nach ihren Kindern und findet sie nach der Schlacht auf La Tourgue.

An ihr und ihren Kindern spitzt sich der Konflikt zwischen Gauvain, Cimourdain und Lantenac zu und endet tragisch.

Das große Thema Hugos in diesem Roman ist die Auseinandersetzung mit den Errungenschaften der Revolution und dem Widerspruch der Unerbittlichkeit nach deren Sieg, symbolisiert in der Guillotine.