461 S., Büchergilde Gutenberg, 19,95 €, ISBN 978-3-7632-6650-0
Bisher kannte ich die Werke von Ian McEwan nur dem Namen nach, ich war also nicht vorbelastet, als ich sein aktuelles Buch "Honig" las. Eine Agentengeschichte, geschrieben aus der Sicht der Hauptakteurin, einer Frau, die sich zwar für Literatur begeistert, aber verunsichert und ziemlich naiv durch die Welt stapft.
Man schreibt das jahr 1972. Über eine Liebesbeziehung bekommt sie eine Stelle beim MI5, dem britischen Inlandsgeheimdienst. Die Stelle hat nichts mit Spionage zu tun und unterfordert Serena. Doch irgendwann bekommt sie die Chance, ihr Literaturverständnis für ihren Staat nützlich einzusetzen.
Die Operation "Honig" soll junge, vielversprechende Schriftsteller, finanziell unterstützen und fördern. Ausgewählt werden diese nach ihrer ideologischen Festigkeit und Zuwendung zu allem Britischen. Sie müssen kritisch zum Kommunismus sein. Und Serena gelingt es auch, den ihr zugewiesenen Autor Tom Haley, von der Förderung zu überzeugen. Literarisch sei er frei, er könne sich ganz aufs Schreiben konzentrieren.
Jedoch passiert das Unkalkulierbare. Serena wird Toms Geliebte und im Laufe der Monate werden sich beide ihrer Liebe bewusst. Das ist selbstverständlich gegen die Spielregeln und als ein Vorgesetzter von Serena, der selbst in sie verliebt und inzwischen abgewiesen wurde, das spitz kriegt, setzt sich ein Teufelskreis in Gang bis zum überraschenden Ende.
Zugegeben ist die Story eine spannende, gelungene. Das Ende war nicht vorhersehbar und hat mich auch eine wenig versöhnt mit dem Buch. Jedoch blieb mir Serena die ganze Zeit fremd. Ihre Erfahrungen konnte ich nicht mir ihren Handlungen verknüpfen, trotz vieler und auch guter Umschreibungen blieb sie für mich eine Art Schatten, leblos. Vielleicht liegt es daran, dass McEwan das Kunststück wagt, als Mann in die Frauenrolle zu schlüpfen. Denn kunstvoll schreiben, das kann er. Ich mag die Sprache, die Wendungen, die Beschreibungen.
Und nicht nur Serena befremdete mich. Immer wieder fragte ich mich im Laufe des Buches: Worauf läuft die Geschichte hinaus? Wofür werden all diese Details erzählt, sind sie wichtig für den Überraschungseffekt irgendwann? Aber die meisten Schilderungen sind überhaupt nicht von Bedeutung. Sie füllen nur Lücken, sollen wohl den Fortgang der Story lebendig halten. Ein Rezensent bezeichnet das intellektuelle Gebahren des Autors sogar als Geschwafel und dem kann ich nur zustimmen. Der Mittelteil ist schwach und zieht sich und besonders gestört habe ich mich an Einschüben wie diesen: "...dann liebten wir uns (er wirkte wie ausgehungert)..." oder "... mein Gesicht an sein Hemd drückte und den vertrauten Duft von Imperial-Leather-Seife und Kirchenkerzen - Lavendelwachs - einsog...". Überhaupt verwendet McEwan gern diese Klammern, die jeder Schreibkurslehrer einem sofort streichen würde, da sie einfach unwichtig sind.
Und als Letztes konnte ich wenig mit den seitenlangen Beschreibungen von Toms Erzählungen anfangen. Geschichten in Geschichten können ihren Reiz haben, tragen sie zur Erhellung des Gesamten bei. Hier hat man wieder nur das Gefühl des Lückenfüllers, denn mir wurde dadurch nicht klarer, warum ausgerechnet Tom Haley in die Gunst des MI5 geriet.
Fazit: Leicht zu lesen, kuriose Geschichte - aber an der Umsetzung hapert es streckenweise doch gewaltig. Leider nur Durchschnittsware. Schade!
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Freitag, 10. Oktober 2014
Donnerstag, 17. Januar 2013
Graham Greene: Der menschliche Faktor
342 S., Verlag Volk und Welt, 1986
Der kalte Krieg ist nun schon eine ganze Weile vorbei - Gott sein Dank! Ebenso wie das Apartheidsregime in Südafrika. Aber genau um diese Themen dreht sich dieser gemächliche Spionageroman von Graham Greene.
Hauptperson ist Maurice Castle, der kurz vor der Pensionierung steht, einen recht ruhigen Job beim MI5 hat und mit einer dunkelhäutigen Südafrikanerin verheiratet ist. Sarah ist einst selbst als Agentin tätig gewesen und wurde mitsamt ihres Sohnes aus Südafrika geschleust.
Sie weiß jedoch nicht, daß ihr Mann deshalb als Doppelagent arbeitet: für den englischen Geheimdienst ebenso wie für den sowjetischen.
Lange Zeit bleibt sein Tun auch dem Leser verschlossen. Nur laut Klappentext kann man erahnen, dass Maurice ein Doppelagent ist. Sein Kollege wird verdächtigt, als eine undichte Stelle in der Abteilung entdeckt wird. Dieser wird sogar mundtot gemacht und es ereilt ihn eine "Leberzirrhose".
Ich brauchte wirklich eine ganze Weile, bis ich verstand, wie die Kontaktaufnahme und die Codierung der Informationen ablief - zu entfernt war die damalige Technik von der heutigen. Es mutet im wahrsten Sinne des Wortes schon sehr antiquarisch an, die Chiffrierung mittels Büchern in den 70er Jahren, in denen das Buch entstand.
So richtig wollte der Funke beim Lesen nicht überspringen. Ich empfand die Geschichte nicht als spannend, erst am Ende nahm sie etwas Fahrt auf. Vielmehr würde ich die Erzählweise als behäbig bezeichnen.
Am Ende war die Lektüre für mich ein kleiner historischer Ausflug in die Zeiten von schwarz und weiß.
Der kalte Krieg ist nun schon eine ganze Weile vorbei - Gott sein Dank! Ebenso wie das Apartheidsregime in Südafrika. Aber genau um diese Themen dreht sich dieser gemächliche Spionageroman von Graham Greene.
Hauptperson ist Maurice Castle, der kurz vor der Pensionierung steht, einen recht ruhigen Job beim MI5 hat und mit einer dunkelhäutigen Südafrikanerin verheiratet ist. Sarah ist einst selbst als Agentin tätig gewesen und wurde mitsamt ihres Sohnes aus Südafrika geschleust.
Sie weiß jedoch nicht, daß ihr Mann deshalb als Doppelagent arbeitet: für den englischen Geheimdienst ebenso wie für den sowjetischen.
Lange Zeit bleibt sein Tun auch dem Leser verschlossen. Nur laut Klappentext kann man erahnen, dass Maurice ein Doppelagent ist. Sein Kollege wird verdächtigt, als eine undichte Stelle in der Abteilung entdeckt wird. Dieser wird sogar mundtot gemacht und es ereilt ihn eine "Leberzirrhose".
Ich brauchte wirklich eine ganze Weile, bis ich verstand, wie die Kontaktaufnahme und die Codierung der Informationen ablief - zu entfernt war die damalige Technik von der heutigen. Es mutet im wahrsten Sinne des Wortes schon sehr antiquarisch an, die Chiffrierung mittels Büchern in den 70er Jahren, in denen das Buch entstand.
So richtig wollte der Funke beim Lesen nicht überspringen. Ich empfand die Geschichte nicht als spannend, erst am Ende nahm sie etwas Fahrt auf. Vielmehr würde ich die Erzählweise als behäbig bezeichnen.
Am Ende war die Lektüre für mich ein kleiner historischer Ausflug in die Zeiten von schwarz und weiß.
Mittwoch, 22. August 2012
Wolfgang Herrndorf: Sand
474 S., Rowohlt, 19,95 €, ISBN 978-3-87134-734-4
Der Roman "Sand" von Wolfgang Herrndorf steht seit ein paar Tagen auf der Long List für den Deutschen Buchpreis 2012. Mit "Tschick" gelang Herrndorf vor ein paar Jahren ein absoluter Volltreffer: ein überaus witziges Jugend-Road-Movie mit kuriosen Aussenseiter-Gestalten.
Entsprechend gespannt war ich auf sein neuestes Werk. "Sand" ist ein Buch ganz anderer Art und man tut sich schwer damit, es in eine Schublade zu packen: am ehesten ein Thriller, gewürzt mit politischen Motiven und zwielichtigen Akteuren.
Herrndorf legt dem Leser Fäden in die Hand - vielschichtige - die lange Zeit nicht zusammen passen wollen. Da ist zum einen ein Massaker an vier Bewohnern einer Hippie-Kommune in der nordafrikanischen Wüste Anfang der 70er Jahre. Aufklären sollen dies zwei wenig motivierte Kommissare, die eigentlich selbst nicht wissen, worum sie gerade in diesen Land gelandet sind.
Dann taucht eine blonde Amerikanerin auf, die zwar blond und ihrem Aussehen nach für wirklich dumm gehalten werden könnte, jedoch sich am Ende als eine Schlüsselfigur entpuppen soll. Angeblich ist sie im Land um für eine Kosmetikfirma vor Ort zu arbeiten. Zufälligerweise kennt sie aber aus Jugendtagen eine Bewohnerin der besagten Kommune.
Und als dritter Faden wird ein Halb-Araber mit Gedächtnisverlust ins Rennen geschickt, der offensichtlich niedergeschlagen wurde und sich so gar nicht erinnern kann, wer er ist und warum er verfolgt wird. Lediglich ein alter Schuppen, wo er ein Gespräch seiner Verfolger belauschte und einen Toten findet, sind Anhaltspunkte.
Auch im Laufe der Geschichte kommen weitere Indizien nur sehr spärlich hinzu. Die Amerikanerin Helen, die den Araber (genannt Carl) in der Wüste aufliest, versucht zu helfen, verhält sich aber selber höchst suspekt.
So nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf und es wird eine hohe Spannung aufgebaut, die am Ende den Leser aber unzufrieden und nur teilweise aufgeklärt zurück lässt. So ungewöhnlich, geradezu amüsant Herrndorf seine Figuren zeichnet und es versteht, den Leser in der Geschichte zu halten - einen Sog erzeugt, dem man sich bald nicht mehr entziehen kann, so enttäuscht ist man am Ende, wenn die Fäden immer noch nicht zusammenlaufen.
Nach einigem Rückblättern und nochmaligem Nachlesen erklären sich mir ein paar Fakten:
Der Roman "Sand" von Wolfgang Herrndorf steht seit ein paar Tagen auf der Long List für den Deutschen Buchpreis 2012. Mit "Tschick" gelang Herrndorf vor ein paar Jahren ein absoluter Volltreffer: ein überaus witziges Jugend-Road-Movie mit kuriosen Aussenseiter-Gestalten.
Entsprechend gespannt war ich auf sein neuestes Werk. "Sand" ist ein Buch ganz anderer Art und man tut sich schwer damit, es in eine Schublade zu packen: am ehesten ein Thriller, gewürzt mit politischen Motiven und zwielichtigen Akteuren.
Herrndorf legt dem Leser Fäden in die Hand - vielschichtige - die lange Zeit nicht zusammen passen wollen. Da ist zum einen ein Massaker an vier Bewohnern einer Hippie-Kommune in der nordafrikanischen Wüste Anfang der 70er Jahre. Aufklären sollen dies zwei wenig motivierte Kommissare, die eigentlich selbst nicht wissen, worum sie gerade in diesen Land gelandet sind.
Dann taucht eine blonde Amerikanerin auf, die zwar blond und ihrem Aussehen nach für wirklich dumm gehalten werden könnte, jedoch sich am Ende als eine Schlüsselfigur entpuppen soll. Angeblich ist sie im Land um für eine Kosmetikfirma vor Ort zu arbeiten. Zufälligerweise kennt sie aber aus Jugendtagen eine Bewohnerin der besagten Kommune.
Und als dritter Faden wird ein Halb-Araber mit Gedächtnisverlust ins Rennen geschickt, der offensichtlich niedergeschlagen wurde und sich so gar nicht erinnern kann, wer er ist und warum er verfolgt wird. Lediglich ein alter Schuppen, wo er ein Gespräch seiner Verfolger belauschte und einen Toten findet, sind Anhaltspunkte.
Auch im Laufe der Geschichte kommen weitere Indizien nur sehr spärlich hinzu. Die Amerikanerin Helen, die den Araber (genannt Carl) in der Wüste aufliest, versucht zu helfen, verhält sich aber selber höchst suspekt.
So nimmt die Geschichte ordentlich Fahrt auf und es wird eine hohe Spannung aufgebaut, die am Ende den Leser aber unzufrieden und nur teilweise aufgeklärt zurück lässt. So ungewöhnlich, geradezu amüsant Herrndorf seine Figuren zeichnet und es versteht, den Leser in der Geschichte zu halten - einen Sog erzeugt, dem man sich bald nicht mehr entziehen kann, so enttäuscht ist man am Ende, wenn die Fäden immer noch nicht zusammenlaufen.
Nach einigem Rückblättern und nochmaligem Nachlesen erklären sich mir ein paar Fakten:
- wer ist Carl wirklich? (Obwohl das nie explizit aufgelöst wird.)
- gibt es seinen Kumpan Cetrois überhaupt?
- welche Rolle spielt Helen in dem Ganzen?
Jedoch gibt es noch viel mehr Fragen als Antworten am Ende. Herrndorf schafft es nicht, seine Fäden zu entwirren, vielmehr verheddert er sich mit zahlreichen Einzeleinfällen und vergisst die plausible Auflösung.
Ich habe das Buch bis zur letzten Seite mit Hochspannung gelesen. Insofern kann ich es nicht schlecht bewerten. Und wenn ich es jetzt direkt noch einmal von vorn beginnen würde, vielleicht wäre mir dann Erleuchtung beschieden. Aber dennoch bin ich nicht überzeugt und hätte dem Buch einen couragierten Lektor gewünscht, der den hoch gefeierten Autor wieder auf den Weg bringt.
P.S. Nach dem Lesen der im Kommentar empfohlenen Kritik, die Aufklärung über viele Details enthält, muss ich meine Meinung ein wenig revidieren. Als aufmerksamerer Leser als ich wurden die Fakten greifbar ausgebreitet, man musste sie wohl nur nehmen.
Für mich heißt das: ich muss wohl doch noch einmal das Buch zur Hand nehmen, wenn auch nicht sofort, aber vielleicht in den nächsten Monaten irgendwann.
P.S. Nach dem Lesen der im Kommentar empfohlenen Kritik, die Aufklärung über viele Details enthält, muss ich meine Meinung ein wenig revidieren. Als aufmerksamerer Leser als ich wurden die Fakten greifbar ausgebreitet, man musste sie wohl nur nehmen.
Für mich heißt das: ich muss wohl doch noch einmal das Buch zur Hand nehmen, wenn auch nicht sofort, aber vielleicht in den nächsten Monaten irgendwann.
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