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Dienstag, 1. April 2014

Echt spanisch-feurig: Albondigas mit Runzelkartoffeln


Am Wochenende kam Sohn Nr. 1 von einem zweimonatigen Südamerika-Trip wieder. Sein Geburtstag lag gerade hinter ihm, da lag es nahe, ihn mal wieder richtig zu verwöhnen.

Ich kramte meine Kochbücher durch, hatte eigentlich schon ein Bärlauch-Risotto geplant, bekam dann im Supermarkt aber keinen Risotto-Reis. Kurzfristig entschied ich mich um, da ich kleine Fiorettakartoffeln sah, wurden sie kurzerhand eingepackt, Hackfleisch und Büchsentomaten gekauft und dann Albondigas mit mallorquinischen Runzelkartoffeln gezaubert.

Das Rezept für Fleischbällchen stammen aus dem Kochbuch Mediterran genießen: Verwöhnrezepte rund ums Mittelmeer.

Für die Sauce werden die Tomaten zusammen mit Weißwein (im Rezept: Sherry), Thymian und Chilischoten erhitzt und eingekocht.

Für die Bällchen Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl anschwitzen, mit Weißwein ablöschen, kurz aufkochen und dann zu gemischtem Hackfleisch, einer Scheibe Toastbrot und Ei geben. Alles vermengen und mit Salz abschmecken. Zu kleinen Bällchen formen und später in die Sauce geben und 5 Minuten ziehen lassen. Sauce nochmal kräftig abschmecken.

Die Runzelkartoffeln habe ich folgendermaßen zubereitet: Kartoffeln gründlich abwaschen und in einen Topf geben, in diesen soviel Wasser füllen, dass die Kartoffeln zur Hälfte bedeckt sind. Grobes Meersalz hinzugeben, ca. 4 EL. Zwischen Deckel und Topf kommt ein gefaltets Handtuch, so dass bereits etwas Wasser während der Garzeit entweichen kann, aber nicht zuviel. Dann 20 Minuten kochen.

Vom restlichen Wasser bis auf einen kleinen Rest alles wegschütten und zu Ende kochen. Da am Ende kein Wasser mehr im Topf ist, bekommen die Kartoffeln ihre Runzelschale und die Salzkruste.

Eine türkische Variante der Hackbällchen habe ich übrigens schon hier ausprobiert und für besonders gut befunden. Auch die spanischen Bällchen waren einfach nur der Hammer, besonders zu den Kartoffeln.

Als kleinen Geburtstagskuchen gab es übrigen diesen Heidelbeerkuchen mit Butterstreuseln, der zum Niederknien ist.

Fazit: Mein Kind wurde kulinarisch rundum verwöhnt und er freute sich über eine gelungene Abwechslung zum übermäßigen Steakkonsum.

Sonntag, 17. Juni 2012

Doris Dörrie: Alles inklusive

248 S., Büchergilde Gutenberg, 18,95 €, ISBN 978-3-7632-6501-5

Wunderbar sarkastisch ist Doris Dörrie in diesem Buch. Die Frauen in ihrem Roman kranken alle an unerfüllten Lieben und Leben. Aber anstatt sie mit Mitleid auszustatten, führt sie sie vor, dies aber auf liebevolle Weise. Sie mag ihre geschaffenen Charaktere, man kann vermuten, dass einiges darin in ihr selbst steckt oder in Menschen, die sie kennt und schätzt. Denn wir sind alle mit Macken ausgestattet und spulen dieselben Fehler öfter ab.

Wie Apple, die als Tochter der Hippie-Mutter Ingrid aufwächst, die wiederum in ihren jungen Jahren in Spanien versucht, ihr Leben mit dem Verkauf von selbstgebastelten Schmuck am Strand an Touristen zu verkaufen und mit ihrer Tochter in einem Zelt schläft, was diese hasst.

Apple jedenfalls scheitern  an ihren Lieben, sie fällt immer wieder auf dieselbe Sorte herein, die sie finanziell ausnutzen und am Ende sitzen lassen. Vielleicht, weil sie zu besitzergreifend ist, zu spießig. Irgendwann schafft sie sich einen Mops an, den sie selbstredend Freud nennt und der im wahrsten Sinne ihr Therapeut ist, während er selbst zum Krüppel wird.

Ingrid dagegen kehrt im Alter zurück nach Spanien, wo sie ihrer großen Liebe wieder begegnet, der inzwischen im Altersheim lebt und dessen Sohn zur Tochter mutiert ist und auch so einiges mit sich rumschleppt. In jedem Fall aber den Tod der Mutter, die sich nach einem Techtelmechtel des Vaters im eigenen Pool ersäuft.

Schlussendlich begegnen wir noch Susi, die über Umwege eine Art Freundin für Apple wird, jedoch selbst einen todkranken Mann daheim zu pflegen hat. Nachdem dieser genesen ist und ein zweites Leben geschenkt bekommt, bricht Susis Welt zusammen - aber anders als man jetzt denken könnte.

Alle verzweifeln am Leben und an der unbarmherzigen Sonne Spaniens, die allen Deutschen so verlockend erscheint und für die "Exilanten" irgendwann zum Horror wird.

Ein wirklich amüsanter Blick auf diese gescheiterte Existenzen, die man dennoch - oder gerade - ins Herz schließt, denn etwas Scheitern steckt doch in uns allen. 

Mittwoch, 27. Juli 2011

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

562 S., Suhrkamp, 9,90 €, ISBN 978-3-518-45800-6

Dieses Buch wartet nun schon ein paar Wochen auf meine bewertenden Worte. Und da ich in den letzten Tagen so fleißig dabei bin, will ich Euch nicht länger warten lassen.

Über den Inhalt ist, denke ich, genügend geschrieben worden, deshalb will ich mich dazu nur kurz fassen: Daniel wird in früher Jugend von seinem Vater eines Tages mit in den "Friedhof der vergessenen Bilder" genommen und darf sich dort ein Buch aussuchen. Er muss dafür aber versprechen, dieses Buch nie wieder herzugeben und es gut zu bewahren.

Daniel ist fasziniert von der Geschichte des Buches und versucht, mehr über den Autor zu erfahren. Aber allzuweit  kommt er mit seinen Nachforschungen nicht. Die Werke des Autors sind alle verschwunden, keiner weiss viel über diesen Mann.

Da aber immer mehr seltsame Dinge im Leben von Daniel passieren, die starke Parallelen mit der Handlung des Buches haben, wir Daniel immer neugieriger. Auf seiner Suche begegnet er vielen ungewöhnlichen Gestalten, bis sich am Ende doch alles aufklärt.

Das faszinierende an Zafóns Buch ist für mich - ebenso wie in "Das Spiel des Engels" - die für unsere heutige Zeit ungewöhnliche Sprache. Zafón erzählt auf eine ganz eigene, fast altmodische Art seine Geschichte und schafft es virtuos, den Leser ganz schnell und ganz tief in den Sog der Spannung zu ziehen. Ich sehe in Zafóns Worten eine große Ehrfurcht vor der Sprache, vor der großen Literatur dieser Welt. Geheimnisvoll sind seine Figuren, etwas unheimlich seine Schauplätze und einfach nur großartig das Entwirren der Fäden zum Finale.

Leider hatte ich bereits "Das Spiel des Engels" vorher gelesen und wußte um die Kraft dieser Sprache. Auch dieses Buch hatte mir sehr gefallen, obwohl das Mysthische in diesem weitaus stärker zum Tragen kommt. Der "Schatten des Windes" gefällt mir gerade wegen seiner am Ende doch realistischen Auflösung dann doch noch um einen Deut besser. Aufällig ist in jedem Fall, dass sich beide Bücher in der Rahmenhandlung sehr gleichen, deshalb werde ich mir mit der Lektüre des dritten Buches von Zafón, welches in meinem Bücherschrank steht - "Der dunkle Wächter" - noch ein wenig Zeit lassen.

Sonntag, 29. Mai 2011

Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt

424 S., Suhrkamp, S. Fischer Bibliothek, 1948

Eines der berühmtesten Werke Hemingways ist das hier vorliegende "Wem die Stunde schlägt". Es spielt im Spanischen Bürgerkrieg und umfasst lediglich vier Tage, in denen sich der Amerikaner Robert Jordan auf seinen Auftrag, eine Brücke in die Luft zu sprengen, vorbereitet.

Er begegnet derweilen spanischen Kämpfern unterschiedlicher Natur. Pablo, bisher Anführer der Guerillatruppe entpuppt sich als labile Persönlichkeit, auf die sich die Gruppe nicht verlassen kann. Dessen Gefährtin Pilar hingegen ist völlig überzeugt von der "Sache". Obwohl sie bereits von den Schrecken des Bürgerkrieges in lebhaften Bilder zu berichten weiss, ist sie standhaft.

Robert Jordan selbst ist ein pflichtbewußter Mensch. Er hält sich an seine Befehle und versucht sich nicht beeinflussen zu lassen. Doch diese Haltung wird erschwert durch die aufkeimende Liebe zu Maria, einem mehrfach vergewaltigten Republikaner-Mädchen. Zweifel kommen in Jordan auf. Die Vorstellung, nur diese wenigen Tage mit Maria zu haben und wahrscheinlich bei dem Angriff ums Leben zu kommen, läßt ihn wanken.

Am Ende jedoch siegt sein Pflichtgefühl. Der Angriff und die Sprengung der Brücke gelingen, aber zu einem hohem Preis.

Zu recht ist dieses Buch ein Klassiker der Weltliteratur, so ist es doch übertragbar in jede aktuelle Kriegshandlung. Sind nicht alle Soldaten gefangen zwischen dem Pflichtgefühl und der Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen und den immer wiederkehrenden Zweifeln, das Richtige zu tun? Ist eine militärische Auseinandersetzung wirklich der richtige Weg, um seine Ideale durchzusetzen?

Mit einfachen, aber sehr berührenden Bildern schafft es Hemingway ohne erhobenen Zeigefinger die Unmenschlichkeit des Krieges aufzuzeigen und die Figuren für sich sprechen zu lassen.