285 S., Büchergilde Gutenberg, 13,95, ISBN 978-3-7632-6572-5
In der Regel bin ich nicht so der Jugendbuchleser, aber hin und wieder mache ich eine Ausnahme und bisher habe ich auch immer einen Treffer gelandet. So auch mit diesem Buch. Hochgelobt wurde der Roman um die krebskranke 16jährige Hazel und das zu Recht.
Einfühlsam und dennoch mit Humor erzählt Green über das Leben mit Krebs, die Isolation vor der gesunden Welt, Trauer und Schmerz und das Mitleid der Umwelt, welches für die Totkranken so gar keine Hilfe ist.
Hazel weiß, dass sie nicht gesund wird. Ihr Krebs ist unheilbar. Doch seit sie ein neues Medikament nimmt, ist zumindest das Wachstum des Tumors gestoppt und sie muss "lediglich" mit einer Sauerstoffflasche bewaffnet durchs Leben gehen. Das Atmen fällt ihr schwer und somit jegliche körperliche Anstrengung.
Durch ihre Mutter gedrängt geht Hazel zu einer Selbsthilfegruppe, in der sie Augustus, genannt Gus, kennen- und später lieben lernt. Gus litt an Knochenkrebs mit sehr guten Chancen der Komplettgenesung. Kumpel Isaac hingegen wird zwar bald krebsfrei, dafür aber blind sein, da der Krebs beide Augen zerstört hat.
Hazel ist durch ihre Krankheit zynisch geworden, liebt das Leben aber dennoch und versucht, das Beste daraus zu machen. Ihr größter Wunsch ist es, ihrem Lieblingsschriftsteller zu begegnen und ihn über den Ausgang des abrupten Endes seines Roman zu befragen. Das ist aber nicht so einfach, denn er antwortet nicht auf ihre Fanpost, lebt in Amsterdam und die Reise dorthin ist für Hazel viel zu anstrengend und finanziell nicht machbar.
Doch ihr neuer Freund Augustus schafft es, ihr diesen Wunsch zu erfüllen und fliegt mit ihr nach Europa. Die Begegnung mit dem Autor wird alles andere als erfreulich, aber die beiden Liebenden kommen sich dort so nah wie kein weiteres Mal.
Das solch ein Buch nicht positiv enden kann, versteht sich von selbst. Doch so viele Schicksalsschläge die beiden auch erfahren, so wird Green nie sentimental. Sicher kamen auch mir beim Lesen an der ein oder anderen Stelle die Tränen, aber nur, weil das Leben eben kein "Wunschkonzert" ist. Green versucht die Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen: keine Verklärung, aber auch kein Trauerspiel. Sondern vielmehr eine Geschichte, die nachdenklich macht, über den Umgang mit dem Krebs und den Menschen, die damit leben müssen.
Für mich eines der besten Bücher meines bisherigen Lesejahres.
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Samstag, 17. August 2013
Sonntag, 31. Juli 2011
Joshua Ferris: Ins Freie (Hörbuch)
Gesamtspielzeit: 7 Stunden 10 Minuten (gekürzt), gelesen von Matthias Brandt, Random House Audio, 2011
Matthias Brandt ist ein toller Schauspieler und mit seiner Stimme ein toller Vorleser. Mit diesem Buch hat er sich schwere Kost ausgesucht, ein deprimierendes Werk, ohne Aussicht auf ein Happy End. Brandt liest dennoch voller Empathie.
Tim und Jane sind seit Jahren glücklich verheiratet. Tim ist als erfolgreicher Anwalt tätig und Jane arbeitet nach langer Pause wieder als Immobilienmaklerin.
Das Glück wird jedoch von einer seltsamen Krankheit überschattet. Tim zieht es immer wieder ins Freie, unkontrolliert und unabhängig von jeglicher Wetterlage. Jane steht permanent in Alarmbereitschaft, um Tim wieder irgendwo aufzulesen und ihn somit vor dem fast sicheren Tod zu bewahren.
Tim war schon bei zahlreichen Ärzten und Psychologen, keiner konnte ihm bisher helfen. Vorsichtsmassnahmen sind inzwischen getroffen: Tim geht nicht mehr ohne Überlebensrucksack aus dem Haus und Jane ahnt inzwischen sehr gut, wo sie ihn finden kann. Die gemeinsame, fast erwachsene Tochter Becca leidet seit Jahren unter dieser Situation. Ihr Vater ist nie anwesend - entweder arbeitet er oder er ist wieder einmal unterwegs.
Ein neuer Psychologe soll nun helfen: die Gehirmströme sollen mittels eines Helms aufgezeichnet werden, um den Ursachen ein Stück näher zu kommen.
Derweilen fällt die Familie unter dieser Belastung auseinander: Jane verfällt dem Alkohol und Becca zieht aus, weil sie die Verhältnisse nicht länger erträgt.
Die Geschichte wird über mehrere Jahre erzählt. Immer wieder hofft man mit der Familie, dass sich das Rätsel löst und Tim doch noch geheilt werden kann oder zumindest irgendwie damit kontrolliert umgeht.
Für mich ein wirklicher Tipp - als Hörbuch oder auch zum lesen. Das Buch beschäftigt und hinterfragt und läßt den Leser dennoch mit dem Rätsel zurück, warum. Das mag man als Mangel empfinden oder als Interpretationsspielraum, der den Leser zum Nachdenken anregt.
Hörprobe
Als Download bei audible:
Oder bei Amazon als Hörbuch:
Dienstag, 20. Juli 2010
Alice Sebold: In meinem Himmel

380 S., Goldmann, 8,95 €, ISBN 3-442-45836-6
Die Verfilmung dieses Buches ist erst vor ein paar Wochen in die deutschen Kinos gekommen. Ich wollte mir den Film nicht angucken, bevor ich das Buch gelesen habe und die Kritiken waren ja auch eher verhalten.
Inzwischen ist mir das Buch zugeschickt worden und ich habe mich ihm in meinem Urlaub gewidmet. Der Stil der Autorin war hierfür genau das Richtige. So dramatisch die Geschichte auf den ersten Blick scheinen mag, so ruhig wird diese erzählt.
Susie Salmon wird im Alter von 14 Jahren durch einen Nachbarn vergewaltigt und ermordet. Der Roman folgt jedoch nicht der Suche nach dem Mörder, dies ist zweitrangig. Vielmehr geht es um die Bewältigung dieses Ereignisses durch Freunde und Verwandte. Und bewacht wird dieser Prozess durch Susie selbst, die in ihrem Himmel all ihre Lieben begleitet und teils mit Sorgen, teils mit Freude deren Entwicklung verfolgt.
Sie beobachtet auch, wie sich ihr Mörder verhält, wie Verdachtsmomente durch ihren Vater wahrgenommen, von der Polizei aber nicht verfolgt werden. Sie sieht ihren Bruder Buckley, der noch viel zu klein ist, um zu verstehen, was passiert ist und ihr Schwester Lindsey, für die der Verlust besonders schwer ist, die aber dennoch sehr souverän damit umgeht.
Susie weilt viele Jahre noch unter ihren Lieben. Einige sehen sie oder nehmen ihre Anwesenheit irgendwie wahr. Und sie bleibt solange, bis ihre Familie und ihre Freunde ihren Seelenfrieden finden und mit ihrem Tod abschließen können.
Ein wirklich lesenswertes Buch über die Bewältigung eines schweren Schicksalsschlages. Jetzt kann ich mir den Film irgendwann angucken und weiß schon, daß er an das Buch mit Sicherheit nicht ranreichen wird.
Donnerstag, 8. Juli 2010
José Saramago: Eine Zeit ohne Tod

252 S., Büchergilde Gutenberg, 16,90 €, ISBN 978-3-7632-5876-5
In "Eine Zeit ohne Tod" beschäftigt sich der 1998 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Schriftsteller José Saramago mit einer Vision. Weniger wird uns eine flüssige Geschichte erzählt mit Akteuren, die uns ans Herz wachsen. Lediglich im zweiten Teil des Buches gibt es so etwas wie einen Handlungsstrang mit Hauptpersonen. Da begegnen wir tod und einem Cellisten, die sich zueinander hingezogen fühlen. Denn tod ist eine Frau.
Vielmehr ist dieses Werk die ausgefeilte Darstellung der Idee, wie es wäre, wenn eines Tages kein Mensch mehr sterben würde und die darauffolgenden Tage und Wochen auch nicht. Welche Maßnahmen wären vonnöten, wer würde wie darunter leiden? Was würden die Menschen tun, wenn sie das Dahinsiechen todkranker Angehöriger mit ansehen müssen? Wie reagiert die Regierung auf diesen Zustand?
Die Zeit ohne Tod ist in dem Roman jedoch begrenzt. Nach einem halben Jahr kündigt tod selbst an, wieder auf der Bildfläche zu erscheinen - von einem Tag auf den anderen und was passiert dann? Sterben alle gleichzeitig, die das letzte halbe Jahr über ihren Zenit hinweg gelebt haben? Sollte der Tod nicht angekündigt werden?
Einer spannenden Frage hat sich Saramago hier gewidmet. In überspitzter Form wird die Überalterung der Menschheit beleuchtet. Da der Autor das Fernbleiben des Todes auf nur ein Land beschränkt und auch die Tiere und Pflanzen außen vor läßt, werden auch andere Fragen aufgeworfen. Was bedeuten Grenzen für ein Land ohne Tod? Müssen diese bewacht oder verteidigt werden? Kann das die Armee übernehmen und wie schützt der Staat seine Bürger vor kriminellen Banden, die sich schnell mit dem Ausnahmezustand arrangieren und ihren Vorteil daraus ziehen (im Buch genannt die "Maphia")?
Ein durchaus spannendes Buch mit vielen Ansätzen zum weiteren Nachdenken. Nur leider liest es sich nicht ganz so flüssig, da es fast ohne Punkt und die Anführungszeichen der wörtlichen Rede daherkommt. Auch der nur sehr gering vorhandene Rahmen von Figuren, an deren Lebensweg man solch eine Geschichte aufhängen könnte, macht den Roman zu keiner leichten Lektüre.
Dennoch eine ausdrückliche Empfehlung zum Lesen von mir.
Dienstag, 27. Januar 2009
Markus Zusak: Die Bücherdiebin
587 S., 19,95€, Büchergilde Gutenberg, ISBN 978-3-7632-5952-X
Heute möchte ich ein ganz besonderes Buch vorstellen. Von vielen Büchhändlern und Lesern wurde dieses Jugendbuch empfohlen, welches aber auch für jeden Erwachsenen, der ein einfühlsames, mit bezaubernden Worten geschriebenes kleines Meisterwerk, zu schätzen weiß.
Die Geschichte spielt im Dritten Reich in Deutschland in einem kleinen Vorort von München. Dorthin wird die 9jährige Liesel 1939 von ihrer leiblichen Mutter zu Pflegeeltern gebracht. Mit auf der Reise ist ihr kleiner 6jähriger Bruder, der diese Reise jedoch nicht überleben wird. Bei seiner Beerdigung stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Und dies ist der Beginn einer rasanten Karriere als "Bücherdiebin".
Der Alltag von Liesel bei ihrer neuen Familie gestaltet sich anfangs schwierig, hat sie doch Probleme, sich einzugewöhnen. Nachdem sich aber ihr Pflegevater rührend um sie kümmert und ihr sogar das Lesen in nächtlichen Stunden beibringt, kehrt so etwas wie Normalität in ihr Leben ein. Sie lernt den Nachbarsjungen Rudi kennen, mit dem sie bald eine innige Freundschaft verbindet.
Doch der scheinbar normale Alltag wird bald durch die Kriegsschrecken eingeholt: der Judenhass findet sich auch hier bald überall und irgendwann fallen auch in Molching die Bomben. Welche ganz persönlichen Ereignisse Liesel widerfahren und unter welchen Umständen sich ihre "Karriere" fortsetzt, sei hier noch nicht verraten. Nur soviel: es lohnt sich in besonderem Maße, dieses Buch zur Hand zu nehmen, und nicht nur, weil der Erzähler von Liesels Geschichte kein anderer ist als der Tod höchstpersönlich. Nach der Lektüre dieses Buches braucht man ihn nicht mehr zu fürchten, sondern begibt sich gern in seine Arme.
(So, wie wir heute unsere geliebte Katzendame Smilla ihm völlig unerwartet übergeben mussten...)
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