Mittwoch, 10. Oktober 2012

Haruki Murakami: Gefährliche Geliebte

230 S., DuMont, ebook, 5,99 €, ISB 978-3-83214781-5

Mein erster Murakami - endlich. Voll großer Erwartungen, da viele Leser ja regelrechte Fans sind. "Gefährliche Geliebte" stand schon wirklich lange auf meiner Wunschliste und ich weiß gar nicht genau, warum ich das Buch nicht schon längst gelesen habe.

Erzählt wird die Geschichte von Hajime, der als Einzelkind aufgewachsen jahrelang ziellos durch sein Leben irrt, um später in einer bürgerlichen Existenz mit Frau, Kind und als Besitzer zweier Jazz-Bars vorerst seine Ruhe zu finden.

Aus der Ich-Perspektive erleben wir seine Kindheit und die Prägung als Einzelkind. Hajime lernt Shimamoto kennen, die ebenfalls ein Einzelkind ist und die ihn versteht, wie kein(e) andere(r). Eine erste zarte Teenager-Liebe entsteht. Doch nach der Grundschule verlieren sie sich aus den Augen. Er lernt ein neues Mädchen kennen, dem er aber das Herz bricht, als er mit deren Cousine eine wilde Affäre anfängt.

Immer wieder denkt er an Shimamoto und fragt sich, wo sie geblieben ist. Manchmal meint er sie auf der Strasse wiederzuerkennen. Doch er ist sich nie sicher.

Dann verliebt er sich in Yukiko, die seine Frau wird. Endlich scheint er angekommen in seinem Leben. Gelassenheit macht sich breit und er ist zufrieden mit sich, seiner Familie und seinem Beruf. Bis eines Tages unerwartet Shimamoto in seiner Bar am Tresen sitzt. Nach über 20 Jahren ist aus dem jungen Mädchen eine wunderschöne Frau geworden. Sie gibt sich geheimnisvoll, will nicht über ihre Vergangenheit sprechen. Sie kommt und geht wieder und Hajime fragt sich jedesmal, ob er sie wiedersehen wird. In ihm wächst der Wunsch, wieder mit ihr zusammen zu sein, sein Leben aufzugeben, um mit der Frau zu leben, die er bereits als Kind geliebt hat.

Leidenschaft prägt ihre Beziehung. Gar nicht mal im körperlichen Sinne, aber sie können beide nicht ohne einander. Nach der ersten gemeinsamen Nacht fasst Hajime einen Entschluss, doch Shimamoto verschwindet in genau diesem Moment wieder aus seinem Leben.

Das Werk läßt mich etwas zwiespältig zurück. Der große Wurf - wie erwartet - war es nämlich nicht für mich. Langsam, wie in einem Fluss, erzählt Murakami diese Geschichte. Man kann sich ihr nicht entziehen. Lange Zeit wirkt das Buch auf mich gar nicht wie ein Roman, sondern eher wie eine Alltagsschilderung, ja geradzu eine Art Tagebuch. Begebenheiten, die für die Geschichte keine Rolle spielen, werden ausgebreitet: ob z. B. der Schwiegervater Hajime in nebulöse Geldgeschäfte drängt oder wie die Bar renoviert. Mich hat diese Erzählweise zwischenzeitlich doch befremdet.

Auch werden die Geheimnisse, die Shimamoto umgeben, am Ende nicht gelüftet, obwohl gerade diese die Geschichte vorantreiben. Ich habe bisher noch keine Leseerfahrung mit japanischen Schriftstellern und denke, die Art des Schreibens hat viel mit der asiatischen Mentalität zu tun, die mir hier und da fremd erscheint.

Und dennoch mag ich das Buch. Das Dilemma, in dem Hajime steckt, kennen sicher viele von uns. Bürgerliche Existenz und Familie, Geborgenheit und Verlässlichkeit auf der einen Seite steht im Gegensatz zu Leidenschaft und nicht gelebten Träumen. Vor einer Entscheidung und deren Konsequenzen stehen die meisten mindestens einmal im Leben. In dieser Situation kann einem dieses Buch ein Begleiter sein.

Als ePub

Als Kindle-ebook

   

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